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www.turfkoenig.de : Kommentar : Schöner jammern mit dem Turfkönig

Unsere Alternativ-Vorschläge: Drei kaum noch gehörte Klagen über die Lage im Galopprennsport, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind.

Schöner jammern mit dem Turfkönig

"Dem Galopprennsport gehen die Jockeys aus."
Die Goldene Generation der Jockeys in Deutschland ist ziemlich genau 30 Jahre alt. Mitte der 80er Jahre bildeten die umumstrittenen Champions ihrer Zunft, Heinz Jentzsch und Bruno Schütz, ein paar Jungs aus, die den Rennsport in Deutschland prägen sollten. Ihre Namen: Andrasch Starke, Andreas Boschert, Andre Best, Alessandro Schikora. Dazu kommen Andreas Helfenbein, Torsten Mundry, Terry Hellier, Lennart Hammer-Hansen, Andreas Suborics, Peter Heugl, Filip Minarik, Josef Bojko, Jean-Pierre Carvalho - alles eine Altersgruppe! Was einige von diesen heute arrivierten Jockeys schon als blutjunge Reiter leisteten, das hat ihnen bis heute niemand nachgemacht. Dabei ist das Hauptproblem nicht unbedingt, dass der Nachwuchs zu schlecht ist, das Hauptproblem ist: es gibt keinen Nachwuchs. In der Altersgruppe der 15- bis 25jährigen Rennreiter... wer fällt ihnen da ein? Bitte vergessen sie nicht, dass es zu Zeiten, als die oben genannten "Stifte" waren, sie noch eine ganze Zahl mehr Kollegen im gleichen Alter hatten - die haben nur schon aufgehört mit dem Rennreiten, zum Beispiel Michael Trinker, Gregor Axler oder Alexander Brockhausen. Was passiert, wenn die heute 30jährigen Jockeys 40 werden? Wenn die Knochen wehtun, die Kilos drücken, und man eigentlich keine Sieben-Tage-Woche mehr will? Wer wird in zehn Jahren in den Programmheften stehen?

"Der Galopprennsport präsentiert sich unprofessionell in der Öffentlichkeit."
Der Galopprennsport präsentiert sich in der Öffentlichkeit? Aber nur denjenigen, die sich die Mühe machen, auf eine Galopprennbahn zu kommen! Und dort werden sie zum Teil mehr abgeschreckt als willkommen geheißen. Man muss sich manchmal wundern, dass Besucher überhaupt den Weg auf eine Rennbahn finden. Werden doch die Veranstaltungstermine möglichst lange unter Verschluss gehalten, so dass niemand seinen Urlaub danach planen kann. Termine von "Konkurrenz"-Bahnen finden sich nicht im Programmheft, Anschriften oder Anfahrtswege schon gar nicht. Wie das eigentliche Tagesgeschäft "Pferderennen" funktioniert, wird nirgends erklärt, und jetzt spreche ich nicht von der omnipräsenten Infografik, wie man eine Vollkombi mit einem Bankpferd wettet (was bei Einsteigern wohl nicht die erste Frage sein dürfte). Vielen Menschen ist zu Beginn das Verhältnis Jockey-Trainer-Besitzer nicht einmal klar, geschweige denn die komplexeren Zusammenhänge.

Auch im Fernsehen, sowohl dem "rennsportfeindlichen" Sender, der über Galopprennen nur berichtet, wenn es Quote verspricht (verständlich), als auch in der "rennsportfreundlichen", weil gekauften Sendezeit, bleiben die meisten Fragen unbeantwortet, dafür wird der Zuschauer überschüttet mit Zahlen (vorzugsweise Eventualquoten) und einer Bilderflut wirbelnder Pferde, bevorzugt live, hektisch kommentiert, in schlechter Übertragungsqualität, so dass außer einem Farbenrausch auf grünem Hintergrund zum Betrachter nichts durchdringen kann. Nein, nicht jede Rennsportsendung muss "für Dummies" geeignet sein. Aber man muss vorher entscheiden, für wen man produziert, und dabei konsequent bleiben. Zocker können Eventualquoten auch selber vom Bildschirm ablesen. Anfänger haben mehr davon, einen Fachbegriff erklärt zu bekommen. Das Vorlesen von Eventualquoten ist überflüssig.

Wenn der Galopprennsport versucht hat, sein Image etwas aufzubessern, kam eine so blutleere Aktion wie das Anbringen von Postern an LKWs heraus. Galopprennen sind faszinierend, aber allein den LKW der Metzgerei Sterbing GmbH kennen mehr Menschen als den mit der Werbung für den Galopprennsport. Und dabei hatte der richtig Geld gekostet! Kein Vergleich ist so ein LKW zu den Image-Kampagnen, wie sie der Fremdenverkehr fährt, ohne dabei mehr auszugeben: Wer kennt nicht den Aufkleber von Sylt, oder den von Schweden? Ein prägnantes Motiv (nein, nicht unbedingt der schwarz-weiße Luciano), als Aufkleber in allen Rennprogrammen mitgeliefert, hätte in einem Jahr mehr bewirkt.

Darüberhinaus versucht sich der Rennsport so gut wie möglich zu verstecken. Kein Informationsmaterial zum Mitnehmen, kaum Plakate in der Stadt, keinerlei Präsenz in Sportmedien außer ein paar Pferdezeitschriften, kaum Kontakt zu anderen Pferdesportarten, keine Präsenz auf Veranstaltungen der Warmblutzüchter. Nicht einmal Kooperationen mit Casinos, wenn vielleicht den "anderen Pferdeleuten" ein zu hoher "Immenhof-Faktor" unterstellt wird.


"Der Galopprennsport wird höchstens an sich selbst zugrunde gehen."
Immer wieder werden die Buhmänner angeführt: die Buchmacher und die Sportwetten sollen den Rennsport zugrunde richten. Das ist Blödsinn. Sie machen es dem Galopprennsport vielleicht schwer, vielleicht auch sehr schwer, aber Darwin hat schon vor einiger Zeit nachgewiesen, dass im Vorteil ist, wer sich anpasst. Wer sich nicht anpasst, stirbt aus. Der Dodo war unfähig, um sich vor Menschen in Sicherheit zu bringen. Heute gibt es ihn nicht mehr.

Und völlig ohne Stellung zu beziehen, ohne "pro" oder "contra Buchmacher" zu sein, kann man feststellen, dass der Galopprennsport sehr lange gezögert hat, auf die veränderten Verhältnisse angemessen zu reagieren. Möglicherweise war man auch der Überzeugung, angemessen reagiert zu haben, und es hat sich nur im Nachhinein als nicht so clever herausgestellt wie erhofft. Möglich. Auf jeden Fall ist es feige, die Verantwortung von sich zu schieben und auf "die bösen anderen" zu zeigen. Bei den Geschäften zwischen Galopprennsport und Buchmachern handelt es sich nicht um einen bewaffneten Raubüberfall, sondern eben um Geschäfte.

Die ganze sogenannte "Buchmachermisere" bringt aber Schwächen des Rennsports zutage, die - was den Fortbestand von Galopprennen auf dem aktuellen hohen Niveau betrifft - wirklich bedenklich stimmen. Es gibt zwar viele Führungskräfte auf verschiedensten Posten, aber sie sind nicht wirklich handlungsfähig, und schon gar nicht als Einheit. Immer wieder wird danach gerufen, doch endlich an einem Strang zu ziehen - nur welchem, kann sich keiner entscheiden. Wer wirklich der mächtigste Mensch im Galopprennsport ist, bleibt unklar. Kein Wunder, dass sich kaum jemand der Beteiligten richtig gut vertreten fühlt, der sich nicht selbst vertritt. Brennpunkte wie verbesserte Öffentlichkeitsarbeit, Kennenlernen des Kunden oder mehr Respekt vor den eigenen Protagonisten geraten so leicht ins Hintertreffen.


Letzte Änderung: 28.01.2005
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